Die 46. Ein- und Zweihand-Regatta des Yacht Club Bregenz hatte 2026 nahezu alles im Programm, was der Bodensee zu bieten hat – nur Mittelmaß offenbar nicht. Gewitterwalzen, Starkwind bis 40 Knoten, hohe Wellen und schlechte Sicht verlangten den Seglern einiges ab. Und als wäre das nicht genug, drehte der See am Ende den Wind einfach ab. Mittendrin: eine starke Flotte des Yacht Club Langenargen.
Vom 21. bis 23. August lud der Yacht Club Bregenz zur traditionellen Ein- und Zweihand-Regatta rund um den Bodensee. Die Strecke führte von Bregenz über Immenstaad nach Konstanz und wieder zurück nach Bregenz. Was auf der Karte vergleichsweise harmlos aussieht, entwickelte sich 2026 zu einer der anspruchsvolleren Ausgaben dieser Traditionsregatta.
Freitag: Einhand – bis zu 40 Knoten und keine zweite Hand an Bord
Der Freitag begann zunächst vergleichsweise gemächlich. Doch über dem See baute sich die angekündigte Regen- und Starkwindfront auf. Im Bereich Immenstaad und Konstanz erreichte der Wind schließlich bis zu 40 Knoten. Für einen Einhandsegler bedeutet das: Niemand übernimmt mal eben das Ruder. Reffen, Segelwechsel, Navigation, Trimm und taktische Entscheidungen müssen alleine bewältigt werden – während Boot und Bodensee zunehmend ihre eigenen Vorstellungen vom Tagesprogramm entwickeln.
Zahlreiche Teilnehmer brachen die Wettfahrt ab und suchten schützende Häfen auf. Vor Kirchberg kam es zu einem Rettungseinsatz. Mehrere Boote erlitten Materialschäden, Personenschäden waren glücklicherweise nicht zu beklagen. Für die Yardstickgruppe 3 wurde die Bahn verkürzt.
Und ausgerechnet unter diesen Bedingungen zeigten die Langenargener Flagge. Jens Meiser brachte seine Esse 850 CPMNK nach 9:12:15 Stunden gesegelter Zeit ins Ziel und erreichte damit Platz 2 der ORC-Sportboote. Walter Schildhauer gewann mit seiner Eagle 38 die Yardstick-2-Wertung.
Reto Huber mit der Seascape 27 JuLia war ebenfalls für den YCL gemeldet, trat jedoch nicht zum Start an. In Yardstick 1 standen mit Wolfgang Palm, Klaus Ackermann und Bernd Buck weitere YCL-Segler in der Ergebnisliste, konnten die Wettfahrt unter diesen Bedingungen jedoch nicht erfolgreich beenden. Allein ins Ziel zu kommen war an diesem Freitag bereits eine ziemlich belastbare Aussage über Boot und Skipper.
Samstag: Zweihand – die nächste Gewitterwalze wartet schon
Wer nach dem Freitag glaubte, der Bodensee habe sein Pulver verschossen, wurde am Samstag eines Besseren belehrt. Um 7 Uhr startete die Zweihand-Regatta mit 87 gemeldeten Booten. Zunächst nahm der Wind kontinuierlich zu. Dann erreichte eine massive Gewitterwalze das Feld. Wieder wurden Windgeschwindigkeiten bis 40 Knoten registriert. Dazu kamen hohe, kurze Bodenseewellen, Starkregen und zeitweise sehr schlechte Sicht.
Für die Zweiercrews begann Schwerarbeit: Segel verkleinern, Boot kontrollieren, Kurs halten, navigieren und gleichzeitig taktisch vernünftig weitersegeln – unter Bedingungen, bei denen ein Fehler nicht mehr nur ein paar Sekunden kostet.
Wie ernst es wurde, zeigt die Materialbilanz: Drei Boote erlitten Mastbrüche. Weitere Crews mussten wegen Schäden oder der Bedingungen aufgeben. Trotz allem blieb die Regatta glücklicherweise ohne Personenschäden.
Der YCL: mitten im Feld – und mehrfach ganz vorne
Sportlich konnte sich die Bilanz des Yacht Club Langenargen sehen lassen.
In ORC 1 segelten Christian und Amelie Schrode mit ihrer SOD35 auf einen hervorragenden 3. Platz. In ORC 2 erreichten Christian Koch und Patrick Pfützner mit der Grand Surprise Platz 2. Bei den ORC-Sportbooten belegten Jesper und Finn Welm mit der J70 Platz 4, während Reto und Albrecht Huber mit ihrer Seascape 27 JuLia auf Platz 8 kamen.
Besonders stark war die Langenargener Präsenz in Yardstick 1: Bernd Buck und Leonhard Prall segelten mit der J99 auf einen hervorragenden 2. Platz. Leon und Hannah Zartl folgten auf Platz 4, Jens Lichtblau und Stefan Rausch erreichten Platz 5 und Karlheinz Kaiser mit Jörg Kadgiehn kamen auf Platz 9.
Auch in Yardstick 2 war der YCL vertreten: Reinhard Frey und Jörg Lohrmann erreichten Platz 8.
Damit standen YCL-Segler in mehreren Wertungsgruppen weit vorne – einschließlich zweier zweiter und eines dritten Platzes.
Drei Esse 850 aus Langenargen
Eine besondere Geschichte schrieb die Esse-850-Klasse. Gleich drei Esse 850 unter YCL-Flagge standen in der Ergebnisliste: Kai und Tatjana Bornträger, Jens Meiser mit Günter Schmitt sowie Felix Pechtl mit Chiara Stäbler. Kai und Tatjana Bornträger brachten ihre Esse nach 8:52:52 Stunden ins Ziel und erreichten Platz 5 der Klasse. Für die beiden anderen Langenargener Esse-Teams endete die Regatta dagegen vorzeitig. Jens Meiser und Günter Schmitt auf der CPMNK sowie Felix Pechtl und Chiara Stäbler mussten aufgeben.
Gerade an diesem Wochenende war das allerdings keine Randnotiz. Drei Mastbrüche im Gesamtfeld und zahlreiche weitere Ausfälle zeigen, dass die Grenze zwischen sportlichem Ehrgeiz und guter Seemannschaft ziemlich deutlich gezogen war.
Erst Sturm – dann zieht jemand den Stecker
Und dann kam der Teil, für den man den Bodensee gleichzeitig lieben und gelegentlich verfluchen kann. Nachdem die Crews stundenlang gegen Starkwind, Wellen, Regen und Gewitter gekämpft hatten, ließ der Wind in Richtung Bregenz am späten Nachmittag und Abend stark nach. Teilweise herrschte nahezu Flaute.
Aus Schwerwettersegeln wurde Geduldsspiel. Boote, die zuvor unter verkleinerter Segelfläche durch die Wellen geprügelt waren, standen plötzlich in Windlöchern. Während die schnellsten Yachten ihre Wettfahrt nach rund sieben Stunden beendet hatten, kämpften andere noch viele Stunden weiter. Die letzten gewerteten Boote erreichten erst weit in der Nacht das Ziel.
Der Bodensee hatte damit innerhalb einer einzigen Regatta praktisch sein komplettes Sortiment geliefert: Starkwind. Gewitter. Welle. Regen. Schlechte Sicht. Und anschließend Flaute. Mehr Abwechslung hätte vermutlich nur noch Schnee gebracht.
Eine starke Bilanz für den Yacht Club Langenargen
Die Ergebnislisten zeigen: Der YCL war bei dieser traditionsreichen Regatta nicht nur irgendwie vertreten. Der Club stellte eine bemerkenswert große und sportlich starke Gruppe von Ein- und Zweihandseglern – vom modernen ORC-Sportboot über J70, Seascape und Esse 850 bis hin zu J99, SOD35 und 80er Seefahrtskreuzer.
Die Ergebnisse sprechen für sich: ein Sieg und ein zweiter Platz bei der Einhand-Regatta sowie mehrere Podiums- und Spitzenplatzierungen bei der Zweihand-Regatta.
Mindestens ebenso wichtig ist aber etwas anderes. Ein- und Zweihandsegeln lässt wenig Raum zum Verstecken. Es gibt keine große Mannschaft, die Fehler auffängt. Entscheidungen müssen getroffen werden – und bei 40 Knoten Wind manchmal sehr schnell.
Deshalb erzählt diese Regatta ihre beste Geschichte vielleicht gar nicht über Pokale und Ergebnislisten. Sondern über Segler, die bei anspruchsvollen Bedingungen ihre Boote beherrschen, rechtzeitig Grenzen erkennen und nach einem außergewöhnlichen Wochenende wieder sicher in den Hafen zurückkehren.
Und wer dabei war, dürfte beim nächsten Mal, wenn jemand am Steg sagt „morgen vielleicht ein bisschen mehr Wind“, ziemlich genau nachfragen, was mit ein bisschen gemeint ist.














